Gedanken von Selina Fritz

Die Freude und die Motivation mit dem neuen Chor durchzustarten war riesig. Nachdem schon Anfang des Jahres 2020 entschieden war, dass ich die neue Chorleiterin des Gemischten Chor Radolfzell werden würde, brannte ich darauf, nach den Sommerferien endlich proben zu können. Mein Wunsch, zumindest eine Zeit mit dem Chor in Präsenz zu singen, ging in Erfüllung. Einer sensationellen Eröffnungsprobe für alle im Milchwerk, folgten genau fünf Proben, organisiert mit unermüdlichem Einsatz der Vorstandschaft und vieler Chormitglieder. Der Aufwand von Woche zu Woche war enorm. Raumsuche, Listen führen, Zubehör schleppen, Technik fürs Streaming aufbauen und vieles mehr. Dennoch hatte jeder das Bewusstsein, dass sich der Einsatz lohnt, um möglichst lange gesund unter einem guten Gefühl gemeinsam singen zu dürfen. War es doch dieses GEMEINSAME Singen, was nach dem ersten Lockdown für viele eine völlig neue Bedeutung gewonnen hat. Für mich war es die Möglichkeit, zumindest einen Teil des Chores hörend zu erleben, ein Gefühl für Klang, Probentempo und die Menschen zu bekommen. Doch dann traf es uns wie alle anderen auch und wir stellten die Präsenzproben ein. Erfahrung im online proben hatten die meisten bereits aus der ersten Corona Welle. Für mich stand von Beginn an fest, dass proben via Zoom die Alternative zu „nichts“ ist. Und „nichts“ war und ist für mich keine Alternative. Dieses Probenformat hat seine Grenzen und auch der Reiz des Neuen, der technischen Spielereien, war zu dieser Zeit bereits verflogen. Klar ist, dass es vieles gibt, was in dieser Art Probe nicht machbar ist. Mein Ansatz jedoch war von Beginn an, den Fokus genau darauf zu legen, was eben doch funktioniert. An erster Stelle steht für mich, die Stimme fit zu halten, nicht zu ermüden, möglicherweise sogar selbstsicherer zu werden, Außerdem finde ich lohnt es sich auch online auf ein Ziel hinzuarbeiten, gemeinsame Dinge zu schaffen, den Kontakt zu halten, kreativ zu bleiben, Spaß miteinander zu haben und nach möglichst jeder Probe festzustellen, wofür es sich lohnt, im Chor zu singen. Onlineproben fordern viel Disziplin von jedem Einzelnen, viel Vorbereitung, Konzentration, Bereitschaft immer wieder Neues auszuprobieren, aus Fehlern zu lernen und sich auf Dinge einzulassen. Für mich als Chorleiterin ist der größte Lohn und die höchste Motivation, wenn sich Dienstag für Dienstag etwa 25 Fenster öffnen, mit Gesichtern die mir entgegen lachen, mit aufmunternden und dankenden Worten, die ich nach der Probe oder per Mail erhalte. Hätte mir jemand im Vorfeld gesagt, dass es sogar Neuzugänge in dieser unwirklichen Zeit gibt, ich hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt.

Keiner kann sagen, was nach Corona sein wird, wie und ob sich jeder Sänger entwickelt hat, wie der Neustart sein wird, was vom „vorherigen Chor“ noch übrig ist. Ich kann nur sagen, dass ich mich darauf freue, denn Corona hat vieles verändert, aber die Freude am Singen und der Musik, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, die hat sie vielen von uns nicht genommen, sondern diese noch verstärkt.

Ich habe großes Glück, mit dem Gemischten Chor Radolfzell einen offenen, experimentierfreudigen Chor gefunden zu haben. Und so ist das Gelingen des Online- Formates nicht mein Werk allein, sondern das Werk der ganzen Gemeinschaft CHOR.

Wir trafen uns zu einem erfrischenden "Online-Come together" unter dem Motto: Chor meets Cocktail

Der Cocktail "Mojito à la Carsten" wurde höchstpersönlich vom Namensgeber Schritt für Schritt vor der Kamera zubereitet und alle konnten mitmachen.

Die ein oder andere Geschichte wurde erzählt, Cocktailrezepte wurden ausgetauscht und neue Ideen für weitere "Come together-Themenabende" wurden entwickelt.

Cheers...

Aus unserem Notenarchiv haben wir noch viele alte Notenblätter, die wir für unsere Chorarbeit nicht mehr benötigen – das ist jetzt wunderbares Bastelpapier!

Und so kam einige Wochen vor Ostern die Idee auf, mit diesem Papier frühlingshafte Schmetterlinge und Ostereier im Rahmen eines geselligen ZOOM-Meetings im Chor zu basteln ...